Wisst ihr noch...?!

Sommerferien früher

5 / 5 Sterne
freibad


Es gibt ja so Momente im Jahr, in denen ich mich ganz besonders an meine eigene Kindheit zurückerinnere. Geht euch das auch so? Bleibende Erinnerungen, die ich meinen Kindern auch wünsche – die guten und die schlechten, die irgendwie auch dazu gehören

Es gab da dieses Wald-Freibad, für das man keinen Eintritt zahlen musste.

Wir Kinder waren gefühlt jeden Tag dort. Sind als kleiner Stöpsel im Babybecken hingefallen und haben uns immer wieder die Knie an dem kratzigen, blauen Waschbeton aufgeschürft. Es wimmelte von Bremsen und Wespen – wir wurden regelmäßig zerstochen. Und unsere Mütter cremten nur uns richtig ein, während sie sich selbst den Körper mit Tiroler Nussöl einschmierten.

Das beste Eis

Für mich das beste Eis der Welt: Dolomiti oder Brauner Bär (schmeckt heute leider beides irgendwie anders). Das beste Essen der Welt: Freibadpommes oder Heiße Hexe, diese labberigen Pizzastücke, an denen man sich regelmäßig den Gaumen verbrannt hat. Die beste Süßigkeit: Double Dip, diese Brause in Tüten, die man mit einem Brausestäbchen herausfieseln konnte. Der Brausestick ist eigentlich immer ganz schnell zerbrochen – also: Finger rein in das künstliche Kirsch-Pulver.

Der Bademeister war eine Institution, ein Original mit westfälischer „Kodderschnauze“ und alle hatten ein wenig Schiss vor ihm. Ich habe ewig für mein Seepferdchen gebraucht, obwohl ich ihn irgendwie mochte und ihm beweisen wollte, dass ich schwimmen kann. Aber da war diese gefühlt endlose Tiefe und ich war mir hundertprozentig sicher, dass ich ohne Schwimmhilfe ertrinke. Springen vom Ein-Meter-Brett – die Hölle! Aber irgendwann habe ich es dann doch noch geschafft.

Zelten bei Oma

Die Sommerferien waren endlos, zumal wir nur selten in den Urlaub fuhren, doch das war nicht weiter schlimm, so lange wir ins Freibad durften. Manchmal nahmen wir uns auch große Pappkartons vom Supermarkt mit, um uns daraus Häuser zu bauen und sie zu bemalen. Oder es ging zur Oma, die uns auch dringend brauchte, um mit uns Johannisbeeren und Erbsen zu ernten. Stundenlang lösten wir Erbsen aus der Hülle und kauten auf den Schoten herum. Bei Oma im Garten zelten, manchmal eine ganze Woche lang, und im Zelt bis spät in die Nacht Hörspielkassetten anhören – das war der Hit!

Meine beste Freundin blieb leider immer viel zu lange mit ihrer Familie in Jugoslawien, aber wenn sie dann wieder zurück kam, hatten wir noch ewig lange Sommerabende zum Auf-der-Straße-Spielen, Gummitwisten, Rollschuhlaufen – und der Eiswagen, der am späten Nachmittag durch unser Dorf fuhr, verkaufte die Kugel für gerade mal 50 Pfennig. Kam der Eiswagen mal nicht, gab’s im Lottoladen um die Ecke Bazooka Joe- Kaugummis. Die waren erst ganz mehlig und ekelhaft im Mund, aber die Kaugummiblasen, die man damit machen konnte – unglaublich!

Dieses Sommerferien-Gefühl

Heute freue ich mich, wenn meine Kinder mit den Nachbarskindern Wasserschlachten auf der Straße veranstalten und bin froh, dass der nächste Badesee in Fahrradnähe ist. Es gibt auch einen Lottoladen um die Ecke, zu dem sie manchmal hinlaufen, um sich mit Süßkram einzudecken. Die Rollschuhe sind Inline-Skates, die Wasserpistolen heißen „Super Soaker“ und das Eis kostet 1,50€ pro Kugel. Aber streng genommen hat sich nicht viel verändert. Ich wünsche ihnen dieses Sommerferien-Gefühl mit dem Geruch von Sonnencreme in der Nase und ganz ohne Verpflichtungen. Ein kleiner glücklicher „Sonnenort“, an den sie sich igendwann mit einem Lächeln zurückerinnern können, wenn sie als Erwachsene auch mal gestresst im Büro sitzen und ihnen der Alltag über den Kopf zu wachsen droht.


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