Museum mit Kids? Aber ja!

Unser Besuch in der Pinakothek der Moderne

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Dass Kindergarten- und Grundschulkinder schon Lust auf einen Besuch im Museum haben, ist ja nicht selbstverständlich. Unsere kleine Große und ihre Freundin aber schon. Also haben wir am Wochenende den Testlauf gewagt: ein Besuch in der Pinakothek der Moderne - unvoreingenommen und weitgehend unvorbereitet. Haben die denn auch ein Kinderprogramm – wurscht! Haben wir genug Snacks und Getränke dabei? Ach, die beiden werden sowieso nicht so lange durchhalten...

Die halten bestimmt nicht lange durch...

Gleich am Anfang die erste Überraschung: Kinder zahlen am Sonntag keinen Eintritt, und die freundlichen Damen am Counter erkennen sofort: „Das sind aber zwei liebe Mädels!“ Stimmt! Hier kommen zwei Mäuse, die richtig Bock auf Kunst haben. Blinde Zerstörungswut ist ihnen fremd. Sie wollen hier nicht den Laden aufmischen, sondern gucken. Dann die Enttäuschung für die Muttis: Taschen müssen abgegeben werden – Snacks und Getränke bleiben also im Schließfach. Egal – schnell die Klamotten verstaut, zwei Audio Guides für die Girls besorgt – los geht’s. Nun haben Kinder und Künstler ja durchaus was gemeinsam: man kann nicht einfach alle über einen Kamm scheren. Jeder und jedes hat seinen eigenen Stil und muss individuell betrachtet werden. Wer das nicht kapiert, ist ein Kunstbanause –oder eben ein Kindbanause. Die Wahrscheinlichkeit, im Museum einem Kunstbanausen zu begegnen, ist ziemlich gering – viel häufiger gibt’s dagegen den (gemeinen) Kindbanausen – und das, obwohl Museen mittlerweile ja Eltern mit Kindern für sich als Zielgruppe entdeckt haben.

Bekanntschaft mit "Walter"

Da wäre z.B. Walter. Ich nenne ihn so, weil er einen ganzen Bereich im Museum verwaltet – und während er so seines Amtes waltet Schnappatmung kriegt, sobald ein Fuß kleiner als Schuhgröße 36 seinen Dunstkreis stört. Wie eine Mischung aus „Kaa, die Schlange“ und „Balou der Bär“ kommt er auf Mutti zugewackelt, um zu zischeln: „Sssorgen sie dafür, dassss die Kinder hier nichts anfassssen.“ „Mein Gott Walter“, möchte ich zu ihm sagen, „die Kinder fassen hier nichts an – das sind coole Schlau-Schlümpfe – die wissen, was hier geht und was nicht.“ Walter ist aber schon wieder weggewackelt.

So sah Mamas Kassettenrecorder aus...

Die Mädels sind begeistert: so sah also Mamas alter Kassettenrekorder früher aus, so Opas erster Computer – und Vasen gibt’s im Museum, die würden wir eigentlich gerne mit nachhause nehmen für den nächsten Tulpenstrauß. Und dann die gebogenen Thonet-Stühle - da sind sogar ganz kleine Exemplare für Puppen und Kinder mit dabei! Es ist übrigens relativ kalt. Das liegt nicht an Walters kühlem Blick , der uns eisern verfolgt, sondern am Exponate-freundlichen Klima. Wir schlottern um die Wette (Memo an mich: beim nächsten Mal wärmer anziehen), aber wirklich stören tut es uns nicht.

7x Alarm: und wir war'ns nicht :-)

Im ersten Stock dreht sich alles um moderne Kunst. Auch hier ist es kalt - und doch behält Walters Kollegin keinen kühlen Kopf. Nennen wir sie "Ursula", weil ich gerade an die Tentakel-Hexe bei Arielle denken muss. Kaum zeigt meine Tochter (mit einigem Abstand) auf ein Bild, kommt sie auch schon aus ihrer Höhle herausgeschossen. Doch ich bin schneller. Schließlich haben wir schon mit Walter Bekanntschaft gemacht, und so schleudere ich ihr zuvorkommend ein „die fasst nichts an“ entgegen. Ursula gerät ins Stocken. Irgendwas muss sie jetzt sagen. Sie überlegt ("Kunstpause", nennt man das wohl) und nörgelt dann: „Aber sie müssen mehr Abstand zu den Bildern halten.“ Dabei weist sie auf unsichtbare Linien auf dem Boden. „Uuund sie dürfen auch nicht so nah mit der Nase heran.“ Während wir uns noch fragen, was für eine große Nase wir wohl haben müssten, damit der Alarm ausgelöst wird, ist die Ungenießbare auch schon wieder in ihrer Höhlenecke verschwunden. Nur wenige Sekunden später piepst der Alarm tatsächlich los. Wir waren es nicht, sondern irgendwelche anderen Kunstfreunde – erwachsene Besucher wohlgemerkt, die Ursula weitgehend ignoriert. Kann ja mal passieren – vor allem, wenn man eine große Nase hat...  Nur so viel: der Alarmpiepser wurde während unseres Aufenthaltes 7(!)x ausgelöst. Und wir hatten Spaß daran, immer wieder festzustellen: Hey, wir war’ns nicht! Und schon wieder nicht! Und schon wieder! Fairerweise muss ich aber auch noch erwähnen, dass nicht das gesamte Sicherheitspersonal des Museums in Sachen Kinderunfreundlichkeit glänzte. Da wäre noch der Mann, der einem unserer Mädels einen Stuhl inmitten einer Kunstinstallation anbot und der andere Herr, der uns davor bewahrte einen Videofilm anzusehen, in dem tödliche Schüsse abgefeuert wurden: („Da nicht mit Kindern rein!!!!“). Ich ärgere mich nur über die Walters und die Ursulas, die einem den Eindruck vermitteln, dass Kinder im Museum gar nichts verloren haben. Macht euch nicht so'n Stress! Falls ihr bislang schlechte Erfahrungen mit Kindern gemacht habt - es gibt unzählige, zuckersüße Exemplare, die euch und vor allem der Kunst nichts Böses wollen.

Kinderprogramm  - nicht notwendig

Um 12 Uhr hätte es die Chance gegeben, das offizielle Kinderprogramm zu besuchen – stattdessen waren wir fast 3 Stunden einfach so unterwegs. Erstaunlich, dass die Mädels zu allen möglichen Bildern ihre ganz eigene Ideen hatten. Hier ein fachkundiger Kinderblick auf bunte Flächen – da die Feststellung: „Das hätt’ ich aber auch hingekriegt“. Unbezahlbar!

Fazit: Wir kommen wieder :-)

Unser Fazit des Museumstages: wir kommen wieder! Die Zeit war viel zu kurz, um die komplette Pinakothek anzuschauen. Wir kommen wieder, weil unsere malwütigen Mädels genau so erstaunt waren wie wir, wie schnell die Zeit in den kühlen Kunsträumen vergangen ist. Wir kommen wieder, und vielleicht können Walter und Ursula sich an uns erinnern. Dann wissen sie, dass sie von uns nichts zu befürchten haben J Fotos: pixabay    


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