Meine Woche: Vom Mamasein in Zeiten von Social Media

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Mamasein mit Social Media


Als kürzlich die Debatte rund um Facebook aufkam, fühlte ich mich gleich wieder ertappt. Ich weiß nämlich genau, dass ich zu viel Zeit im Netz verbringe. Das bringt natürlich einerseits mein Beruf mit sich – wer im digitalen Bereich arbeitet, kommt nicht umhin, das Internet zu nutzen. Schon klar. Aber die Grenzen verschwimmen und das nervt mich zunehmend. Weil ich einfach viel zu viel Zeit auf Facebook, Instagram und Twitter verdaddle und mich dabei auch gerne ein bisschen verrenne. In sinnlose Diskussionen zum Beispiel, die ich in der realen Welt nie führen würde.

Außerdem muss ich gestehen, dass ich mir schon Gedanken mache, was wohl das Netz so mit meinen Kindern anstellen wird. Die Große kommt jetzt bald in die Schule – spätestens dann muss man sich schon mal ein Konzept überlegen. Denn irgendwann wird auch sie nach einem Smartphone fragen oder mehr machen wollen, als mal ein Peppa-Pig-Video auf YouTube anzuschauen.

Perfekte Körperwelten und der schöne Schein

Da ist zum Beispiel Instagram mit seinen perfekt inszenierten Wirklichkeiten. All die wunderschönen Influencer, die ihre tollen Körper durch megaschöne Locations bewegen – wie mache ich meinem Kind denn klar, dass das alles eben das ist: eine perfekte Illusion einer schönen Welt, die es so nicht gibt? Wo ich doch selbst gerne dem schönen Schein erliege und ganz neidisch auf die durchgestylten Wohnungen und tollen Klamotten der digitalen Helden schiele.

Also gilt wohl: Auch mal selbst an die Nase fassen. Mit gutem Vorbild vorangehen. Das fängt bei der Mediennutzung schon an. In früheren Zeiten war es komplett verpönt, den ganzen Tag die Glotze laufen zu lassen (beziehungsweise verortete man das nur in einschlägigen Kreisen). Aber jetzt starren wir in jeder freien Sekunde aufs Smartphone. Das kann es ja wohl nicht sein. Ich muss mich da gewaltig selbst disziplinieren, aber es geht.

Den Schock des Jahres versetzte mir nämlich kürzlich meine Tochter als sie sagte: „Mama, dein Computer ist wichtiger als ich!“ Ich war wirklich den Tränen nahe und versuchte, ihr zu erklären, dass ich eben zuhause arbeite und sie mich daher sehr viel öfter am Rechner sitzen sieht als ihren Vater, der das ja in erster Linie im Büro macht. Trotzdem bleibt da ein fader Beigeschmack. Und deswegen heißt es nun: Weniger ist mehr!

Mehr Offline-Zeit: So kann es gelingen

Ich versuche beispielsweise, meine Onlinezeit besser auf längere Blöcke zu verteilen. Da wird dann das Berufliche gemacht und danach noch ein wenig privat gesurft. Und dann wird der Rechner zugeklappt und das Telefon weggelegt. Und nicht nach zwei Minuten schon wieder rausgeholt.

Was auch hilft: Bestimmte Apps löschen, so dass man gar nicht erst in Versuchung kommt „schnell mal“ reinzuschauen. Man braucht nicht 10 Nachrichten-Apps. Eine reicht völlig. Und auch von den Kommentarspalten lasse ich seit einiger Zeit die Finger, da bekomme ich nur schlechte Laune. Was da alles drin steht – meine Güte! Im Grunde wussten wir ja schon vor der aktuellen Facebook-Misere, dass da viel Schindluder betrieben wird.

Ich gebe zu: Es ist ein schmaler Grat. Denn einerseits arbeite ich mit all diesen Kanälen, deswegen kann ich sie ja nicht verteufeln. Will ich auch gar nicht, denn sie sind Teil unseres Lebens und wie ich finde schon, auch ein sinnvoller. Man muss sie nur verantwortungsbewusst nutzen. Bei uns gibt es daher keine Handys mehr am Tisch und auch nicht im Bett (okay, das schaffe ich nicht immer, ich gebe es zu). Denn die Kinder verhalten sich immer so, wie es ihre Vorbilder vormachen. Und das sind nun mal eben die Eltern. Nur wir können ihnen zeigen, wie das geht: In und mit den sozialen Netzen zu leben, ohne sich in ihnen zu verlieren.

So, und nun werde ich den Rechner zuklappen und meine Kinder vom Kindergarten abholen. Und dann ganz analog (und ohne Handy!) mit ihnen auf den Spielplatz gehen. Ins ganz normale, reale Leben. Ohne Filter.

Foto rawpixel.com / Unsplash


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