Meine Woche

„Ich will auch Prinzessin sein“ – über die Gender-Debatte im täglichen Leben

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Mädchen im rosa Tütü mit Hüpfseil


Kürzlich kam mein Sohn weinend aus dem Kindergarten nach Hause. Nach vielen Tränen und Trösten rückte er damit heraus, was der Grund war: Die anderen Kinder, die Jungs, hatten ihn gehänselt, weil er gerade lieber mit den Mädchen spielt und dabei auch gerne mal in typische „Mädchenrollen“ schlüpft. Er liebt es, beim Spielen eine Prinzessin oder Fee zu sein und an Fasching ging er als Elfe. Für mich ist das völlig in Ordnung und ich freue mich über meinen kreativen und wissbegierigen Sohn, der so viele schöne Geschichten um seine Spielcharaktere herum erfindet.

Hier rosa, da blau

Andere sehen das offenbar anders. Und Kinder können natürlich grausam sein – siehe die Reaktionen im Kindergarten. Offenbar ist die Welt immer noch sorgsam in Jungs und Mädchen aufgeteilt. Egal ob bei Klamotten, beim Spielzeug oder bei der Mediennutzung: Es gibt immer eine Jungs- und eine Mädchen-Version. Das blaue Shirt mit den Piraten für die Buben, das pinke mit Glitzer für die Mädels.

Und während es mittlerweile okay, ja oftmals sogar gewünscht ist, dass sich die Mädchen emanzipieren und auch mal in klassische Jungsrollen schlüpfen, ist es umgekehrt noch lange nicht so. Konkret heißt das: Ein wildes Mädchen, das gerne Fußball spielt und dreckig nach Hause kommt, geht in Ordnung. Ja, man ist sogar fast schon stolz drauf als Eltern. Wenn ein Junge sich wünscht, in den Ballettunterricht zu gehen und gerne Einhorn-Geschichten anhört, ist das aber eine ganz andere Sache. Da wird  dann flugs versucht, ihm das wieder auszureden. „Ist doch Mädelskram! Das brauchst du nicht!“

Es liegt an uns, etwas zu ändern

Ich finde das sehr schade und deswegen lasse ich meine Kinder machen, was sie wollen. Der Bub will tanzen gehen? Sehr gut, das ist ein perfektes Ganzkörpertraining. Er möchte gerne die Glitzerflügel mit zum Spielzeugtag im Kindergarten nehmen? Bitte schön. Nur wenn wir anfangen, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen, wird sich etwas ändern.

Kürzlich kam er an und verkündete, dass er sich ein ferngesteuertes Auto wünscht. Das hat er jetzt. Und wenn er im Prinzessinnen-Kostüm steckt, während er damit fährt, dann schaue ich ihn an und bin stolz auf meinen Sohn. Weil er sich nicht um Konventionen schert. Und ich bin auch ein bisschen stolz auf mich selbst. Weil es an mir liegt, ihn zu einer solch starken Persönlichkeit zu machen. So stark, dass es ihm eben egal ist, ob irgendjemand mal festgelegt hat, wie man zu sein hat oder eben nicht.

Foto: Caleb Woods / Unsplash


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