Die Geschichte vom Nils – für alle, die nicht einschlafen wollen …

2.8 / 5 Sterne


Achtung! Diese Geschichte ist wirklich passiert! OK – ich habe sie für meine Zwecke noch etwas ausgeschmückt, aber das ändert ja nichts an der Tatsache, dass es den Nils tatsächlich gibt, und dass dem Armen das Ganze so ähnlich wiederfahren ist.

Heute ist er über 30 Jahre alt und weiß nicht, dass meine Kinder schon manchen Abend freiwillig ins Bett gegangen sind, weil ich seine Geschichte erzählt habe - und die geht so:

Nils wollte abends nie schlafen gehen. Immer hatte er das Gefühl, er könnte etwas Wichtiges verpassen. Außerdem fühlte er sich gar nicht richtig müde. „Mama, ich bin noch gar nicht richtig müde“, rief er und „ich mag noch spielen!!“ Eines Tages wurde Nils’ Mama das abendliche Theater aber zu bunt und sie sprach mit seinem Papa darüber, dass der Junge ja nie ins Bett gehen wollte. „Was machen wir nur? Ich will Nils doch nicht ärgern und auch nicht vom Spielen abhalten, aber er muss doch schlafen und sich ausruhen!“ „Wart’s mal ab“, sagte der Papa. „Ich hab’ da eine Idee …“

Und tuschelnderweise heckten sie einen Plan aus. Nach dem Abendbrot, als Nils’ Mama ins Kinderzimmer kam, wollte dieser sich gerade lautstark bei ihr beschweren. Doch sie meinte nur zu ihm: „Nils! Heute musst Du gar nicht ins Bett. Du darfst gerne weiter spielen!“ Und Nils war begeistert. In Ruhe baute er weiter an der Garage für seine Autos. Sein Papa kam sogar noch zu ihm und half beim Bauen – schön war das! Und nicht ins Bett gehen müssen, das war noch viel schöner!

Die Mama kam wieder mit einer Flasche Apfelschorle und Reiswaffeln. „Hier, für euch zwei Nachteulen!“ sagte sie und gab jedem einen Kuss auf die Stirn. „Ich geh’ jetzt schlafen!“ Dabei zwinkerte sie dem Papa zu und der antwortete „Alles klar! Bis später!“.

Begeistert trank Nils seine Apfelschorle und futterte Reiswaffeln. Allerdings merkte er, dass jetzt so langsam doch die Müdigkeit an ihm hochgekrochen kam. Es mochte schon so etwa 22 Uhr sein. Die Augen juckten - die Beine fühlten sich schwer an. Egal! Weiterspielen! Es wurde 23 Uhr – die Augen juckten jetzt nicht mehr nur – sie fielen ihm manchmal auch einfach so zu. „Hey Nils – wir schlafen doch heute nicht“, meinte Papa und fing an, ihn zu kitzeln. „Hör auf, Papa! – Nja – ich schlaf’ ja auch nicht“, gab Nils zur Antwort.

Die Uhr schlug Mitternacht – Geisterstunde. War’n aber keine Geister da. Nur Papa und Nils – und der sah mittlerweile ziemlich blass im Gesicht aus. Hätte auch ein Geist sein können (wenn auch nur ein sehr kleiner). Da stand auf einmal Mama wieder im Kinderzimmer. „Ablöse!“ grinste sie. „Häh?!“ Nils verstand nur Bahnhof. „Na DU willst nicht schlafen – wir aber schon. Und weil Du ja jemanden zum Spielen brauchst, lösen Papa und ich uns ab. „Aber ich …“ Langsam dämmerte es Nils, dass Papa und Mama im Begriff waren ihn auszutricksen. Pah! Die sollten nur sehen, wie lange er aufbleiben konnte! Er und schlafen? Niemals! Nicht heute Nacht! Und überhaupt, wer brauchte schon Schlaf, wo man doch so prima wachbleiben konnte?

Mama bastelte an einer Schranke für das Parkhaus. Leider gelang es Nils nicht mehr, sich aufs Wachbleiben zu konzentrieren – immer wieder fielen die Augen zu. „Hey – nicht einschlafen!“ – Mama stupste ihn in die Seite, strubbelte seinen Kopf, piekste ihn in den Bauch und tat alles, um ihn wachzuhalten. So wurde es 1 Uhr, und es wurde 2 Uhr – und irgendwann – endlich – hatte Nils Glück: Mama hatte vorhin wohl nicht genug geschlafen und schnorchelte auf einmal vor sich hin. Vorsichtig schlich Nils sich in sein Bett und kniff die Augen zu – „endlich schlafen“.

Hey, hatte ER das tatsächlich gerade gedacht?! Und Nils schlief. Er schlief und schlief und schlief – tief und fest. ER schlief, als es wieder hell draußen wurde, er schlief, als es Zeit zum Aufstehen und Frühstücken wurde, er schlief, als der Kindergarten begann. Er schlief auch noch zur Mittagszeit und auch dann noch, als um 14 Uhr der Kindergeburtstag von seinem Freund Christian anfing. Erst später am Nachmittag wachte er auf und kroch langsam aus dem Bett. „Mama? – Mamaaaa?!“ rief er. „Mensch Nils – ausgeschlafen?“ Mama hatte schon wieder dieses Grinsen auf den Lippen. „Muss ich nicht in den Kindergarten?“ „Nils, der ist schon vorbei!“ „Aber dann ist doch heute Christians Geburtstag!“ „Nils, der ist schon längst in vollem Gange!“

Nils erschrak. „Aber …!“ „Du hast den halben Tag verschlafen – hast den Schlaf, der dir fehlte, nachgeholt, mein Lieber!“ Ui! Das war jetzt aber wirklich blöd gelaufen! Nils begriff so langsam, dass das mit dem Schlafen schon irgendwie Sinn ergab. Wenn man sich gegen den Schlaf wehrte, dann trickste der einen einfach aus: Man mochte vielleicht abends was verpassen, wenn man schlafen ging, aber wenn man gar nicht schlief, dann passierte etwas viel Schlimmeres: man verpasste nämlich fast den kompletten nächsten Tag.

Von nun an war Nils abends nicht mehr ganz so schwer ins Bett zu bewegen. Es dauerte wohl hier und da immer mal wieder etwas länger, doch er beschwerte sich nicht mehr lauthals. Und du? Bist du inzwischen müde, oder willst du noch länger aufbleiben?

Was habt ihr für Einschlafrituale? Schreibt sie uns gerne!


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